Samstag, 9. Dezember 2023

it's beginning to look a lot like christmas

Das erste mal Vielzufrüh-Weihnachtsdeko-in-den-Läden feeling hatten wir schon Mitte September in Hawai'i, very american, bunt blinkender Plastik unter sommerlich warmem Kunstschnee. 

Rarotonga schien gänzlich immun gegen Weihnachtsmänner und Lametta, und bevor wir in der Halloween-Nacht im kalt verregneten Neuseeland landeten, war Weihnachten so weit weg wie der Nordpol und die Rentiere. 

Erst als wir in unserer ländlichen Unterkunft das Feuer im Ofen schürten, (und abwechslungsweise Halsschmerzen und Erkältung gegenseitig austauschten) kam besinnliche Stimmung und Gedanken an Weihnachten auf. 

Auf unserer Reise durch Neuseeland 'gen Norden wird das Wetter laufen wärmer, und jetzt Anfang Dezember auf der Nordinsel wandern wir in T-Shirt durch Blütenpracht und Vogelgezwitscher. 

Nicht mehr ganz so weihnachtlich. Dafür habe wir dieses Jahr zur Genüge Zeit zum Guetzle und Grittibänzle. Draussen im Garten. Im Sonnenschein. Barfuss. 

Dienstag, 7. November 2023

Rarotonga

Die Lichter werden kleiner und rücken dichter zusammen, bilden der Küste entlang einen Streifen und schliesslich einen flimmernden Kreis um das Eiland. Nur die Küste ist bewohnt und beleuchtet, das innere der Insel besteht aus grünbewachsenen Bergen. 

Vor zwei Tagen flitzten wir mit Rollern über die Küstenstrasse Rarotongas. Die Kleidung flattert im lauen Fahrtwind, Kokospalmen  und Häuschen ziehn an uns vorbei. 

Die Hunde liegen in den Gärten und flätzen in der Sonne. Überall, wirklich überall, stolzieren Hühner und Hähne umher.  


Wir düsen an den verschiedenen Orten vorbei, an denen wir einige Tage verbracht hatten. Den rauen Norden, wo wir täglich Buckelwale beobachten konnten. Der Osten mit seinen kleinen Inselchen in der Lagune, wo wir oft mit den Kayaks und Schnorchel Schildkröten beobachten konnten. Der Süden mit unserem schönen Strandhaus und schliesslich das Schnorchelparadies im Südwesten.  

Einige hell marmorierte Gräber zieren Gärten, gerne an der Strasse platziert und mit Blumen und Schmuck verziert. Welch schöne Art mit dem Tod und Andenken umzugehen. 

Wir halten an unserem lieblings Burgerstand, ein letztes Mal. Dann weiter. Diesmal werden wir sogar nicht verregnet, ein schönes Abschiedsgeschenk. 

Die ganze Insel ist auf diesen Kreis ausgelegt, wie die beiden Buse, einer fährt "clockwise" der andere "anticlockwise" um die Insel. Die Strassen, sagen wir von unterschiedlicher Qualität. 

Wir drücken die Nasen ans Flugzeugfenster und sehen den Kreis aus tausend Lichtern kleiner werden. 

Eine kleine Insel irgendwo im Nirgendwo zwischen Hawai'i und Neuseeland. Eine kleine grüne Oase. Rarotonga.  

Freitag, 13. Oktober 2023

Manta Manta


"Wow, da kommt noch einer" blubbert es nebenan aus dem Schnorchel. Die Kälte ist längst durch den Neoprenanzug gekrochen, hält uns aber nicht davon ab wie gebannt ins dunkle Wasser zu starren. Elegant kommt der graue Manta-Rochen angeschwebt, zieht in einem Purzelbaum nach oben und flappt kopfüber dicht vor uns vorbei. Würde man die Zunge heraus strecken, könnte man ihn ablecken, so nah scheint sein weisser Bauch vorbei zu ziehen. Der Meeresbewohner scheint hauptsächlich aus Maul zu bestehen, so weit sperrt er es auf um den Plankton zu erhaschen, der vom Licht über und angezogen wird. Riesige Kiemen filtern das Süppchen. Der Guide erzählt uns aus dem Leben der Rochen, über Lebensart und Nschwuchs, Erkennungsmerkmale und Tierschutz. Die Zeit vergeht wie im Flug, trotz Kälte und unbequemer Haltung, und schon bald werden wir im Boot warm abgeduscht und mit Cookies verpflegt. 
Der Ausflug hat sich gelohnt. Schnorcheln bei Nacht mit Manta-Rochen.

Die drei Wochen, die wir für Big Island, Hawai'i, eingeplant hatten scheinen fast zu knapp, für all die interessanten Ausflüge, die man hier machen könnte. Allein die verschiedenen Strände, von schwarz, über olivgrün bis beigegrau sind spektakulär, manche sind nur über eine Wanderung zu erreichen und belohnen mit Honu Meeresschildkröten.
Wir wandern duch einen Vulkankrater, über Lavafelder, durch Regenwald ubd über karge Sandsteppen.

Auch wenn wir mangels Kindersitz nicht bis auf die 4000 MüM zum astronomischen Observatorium auf den Mauna Kea hoch dürfen. Die Luft ist dünn genug, und wir keuchen den kleinen Spatziergang zum den Sunset Hill hinauf. Wir geniessen den Sonnenuntergang und den klarsten Sternenhimmel den ich je sah auf 2800 Meter über Meer.  

Samstag, 7. Oktober 2023

Aloha


Die Geckos erschrecken kurz, als wir uns an den Tisch setzen, merken aber bald dass wir harmlos sind. Goldstaub-Taggeckos. Ein passender Name für diese hübschen gelbgrünen Minidrachen mit den orangen Flecken.
Weniger hübsch ist die Geschichte dazu, dass sie erst duch Menschenhand Hawai'i erobern konnten.
Wie mit viele andere Tiere eroberten sie erst in den letzten 200 Jahren die Insel Big Island, die wir erkunden. 


Die ersten Europäer und Amerikaner brachten mit ihren Schiffen Ratten, die bald als Plage für einheimische Arten erkannt wurden. Als Lösung wurden Mungos ausgesetzt, die den Ratten den Garaus machen sollten. Es kam anders. Anstatt der anstrengenden Jagd nach Ratten, nahmen die Mungos den einfacheren Weg, machten sich über einheimische Vögel her. Die vermeintliche Lösung wurde zu einem weiteren Problem. 
Mit gemischten Gefühlen beobachteten wir einige dieser possierlichen kleinen hellbraunen Raubtiere. 
Zum Glück konnten wir auch viele Vertreter der einzigartigen nativen Tierwelt antreffen, verschiedene Medresschildkröten (Honu) , Schmetterlinge (Kamehameha) sowie diverse Vögel.

Die Natur, geprägt von erstarrten Lavafeldern, so vielfältig von üppigem Regenwald bis kargen Steppen, man kommt in nur 1,5 Stunden vom Strand bis auf den Mauna Kea in 4000m Höhe. Ebenso vielfältig ist die Gesellschaft, von Astronomen bis Surfer, amerikanische Hippies und andererseits Hilo, eine der ärmsten Gemeinden der ganzen USA. Dort verbringen wir eine Woche, beobeachten ein Auto am Strassenrand, das von Tag zu Tag übler aussieht, bis es am letzten Tag ausgebrannt vor sich hin räuchelt.

Dienstag, 19. September 2023

on the road

Das Schiffshorn trötet, und der eisige Wind nimmt fahrt auf. Aber dieses mal frieren wir nicht. Im Gegensatz zur ersten Fahrt mit der Fähre haben wir haben viel dazu gelernt und sind mit Daunenjacken und Mützen gewappnet. 

Überhaupt haben wir viel gelernt in den letzten 3 Wochen, in denen wir im Wohnmobil Kanadas Westen durchquerten. Welche Anschlüsse man nicht benutzen sollte zum Beispiel. Wenn man den Trinkwassertank auffüllen möchte und den falschen Anschluss erwischt, drückt es nach einer Weile eine beissend stinkende grüne Brühe im Klo hoch, zum Beispiel. Und man sich dann fragt wie man jetzt mit randvollem Klotank zur nächsten Dumping Station kommt, um das Abwasser abzulassen ohne dass alles raus schwappt. 
Dass die Kinder gute Ideen haben, dass man eine Petflasche zum Schöpflöffel zuschneiden könnte um das Abwasser abzuschöpfen, zum Beispiel. 

Alle paar Tage muss der Wassertank gefüllt und das Abwasser geleert werden.  Wenn Wasser, Strom und Plumpsklos zur Mangelware werden bekommt man ein gutes Gefühl dafür, wie vieles wir im normalen Alltag als selbstverständlich hinnehmen. 

Auf der Reise von Edmonton bis Vancouver erlebten wir in unserem Camper 
kalte Nächte in den Rocky Mountains und sonnige Nachmittage am Seeufer, 
nasse Tage im Regenwald und staubige Schotterstrassen durch Kuhherden, 
löcherige Holperstrassen im Hinterland und eine windige Schiffahrt nach Vancouver Island. 

Wir beschritten viele schöne Wanderungen und spannende Momente, zB als ein Schwarzbär vor uns über die Strasse trottete, oder als wir im Gummiboot durch die eisigen Stromschnellen eines Gletscherflusses flitzten. 
 
Die letzte Nacht im Camper endete früh morgens um 5, und nun sausen wir übers Meer auf das Festland zu, lassen Vancouver Island mit seinen Regenwäldern, Seehunden und Grauhörnchen hinter uns. Bald lassen wir Kanada ganz hinter uns, nach zwei Monaten Roadtrip. 

Samstag, 19. August 2023

Byebye Ontario

Eagle Canyon (bei Thunder Bay) 

Seit fast einem Monat sind wir nun schon unterwegs, von Toronto aus westwärts, einmal quer durch Ontario. Teilweise dem (flächenmässig) grössten Süsswassersee der Welt entlang.
Ja, der hat es uns angetan, dieser Lake Superior mit seinem klaren blauen Wasser und seiner abwechslungsreichen Küste.
Ob fischen, Kanu fahren oder an einem der menschenleeren Sandstrände baden, der kalte Gigant mit seiner vielseitigen Flora und Fauna erstaunt uns ein ums andere mal.

Fischen im Sonnenuntergang (Lake Superior bei Goulais River) 

Atemberaubend sind die Aussicktspunkte auf den felsigen Wanderwegen, rauhe Hügel wechseln sich mit idyllischen Sandstränd und dichten Nadelwäldern ab, bevölkert mit Moorhühnern, Streifehörnchen, schimpfenden Eichhörnchen und einer mannigfaltigen Vogelwelt. Vom Kolibri bis zum Weisskopfseeadler, vom lauten Blue Jay (Blauerhäher) bis zum scheuen Kranich, treffen wir auf viele interessante Federträger. 

Wir finden wilde Beeren (statt Bären) und leckere Pilze im Wald, wir füttern Chipmunks (Streifenhörnchen) und  Chickadees (Meisen) aus der Hand.
In einer Mine schürfen wir violett glänzende Amethysten und wagen uns auf eine 200m lange Hängebrücke über die tiefe Schlucht eines Canyons.  


Chipmunk in Sundridge 

Natürlich frühstücken wir Pancakes mit Ahornsirup und braten abends Marshmallows über dem Feuer. 

Aber es sind die kleinen Missgeschicke, die aus der Reise ein Abenteuer machen. 
Auf einer Wanderung namens "Forgotten Trail" verirren wir uns natürlich und kämpfen uns schlussendlich querfeldein durchs Dickicht (oft auf Bärenkot treffend). 
Ein Kieselstein mit unvorteilhafter Flugbahn schlägt einen langen Riss in die Frontscheibe unseres Mietautos. 
Ein gekentertes Kanu, ein geschwollener Fuss, ein zerstörtes Tablet, starker Gegewind beim Kanu fahren, überfüllte Abwassertanks und viele Patzer weiter, sind wir nun am Westlichen Ende von Ontario angelangt. 

Das Kanu (vor dem Kentern) bei Southriver

Bald geht es nach Winnipeg (in Manitoba) wo wir das Mietauto gegen ein Zugabteil eintauschen.
Durch Saskatchewan führt die Fahrt bis Edmonton (Alberta), wo der zweite Teil unserer Reise beginnt : 
Westkanada, mit den Rocky Mountains und Regewäldern...

The secret beach, in Terrace Bay 

Sonntag, 6. August 2023

Launched


Im Zickzack schwirrt es durch die Luft, ein Surren und Brummen. Auf der Jagd nach Mücken flitzen unzählige Libellen durch die milde Abendsonne.
Aus den Bäumen zwitschern ein paar Vögel und in der Feuerstelle beginnt ein Feuer zu knistern. Mit Erdnüssen ausgestattet sitz Kind 2 am Boden und füttert unseren "Nachbarn", den kleinen Chipmunk. Kind 1 rennt mit einer Wurfrakete weiter hinten durch die Wiese. 

Einerseits ist vieles sehr ähnlich wie in der Schweiz, und doch ist es ganz anders. Dass man auf den Streifgängen durch das Gehölz regelmässig auf Hinterlasseschaften von Schwarzbären und Fährten von Elchen trifft, ist ungewohnt. Ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Der Bärespray am Gürtel kann das mulmige Gefühl nicht ganz beiseite schieben.

Wir sind im Niemandsland von Ontario, mit seinen unendlichen Wäldern und den vielen Seen. Wilde Heidelbeeren und Himbeeren ums Haus. Die Strassen gespickt mit Schlaglöchern, und ab und zu ein Schild, das vor Elchen warnt.  Wir finden essbare Pilze, teils welche, die wir von Zuhause kennen, teils solche die es nur in Nordamerika gibt. Unsere Nachbarin hat sie uns gezeigt; Lobster mushrooms. 

Die Spielrakete landet schlussendlich auf dem Dach und die Kinder fragen sich, wie sie die wieder runter bekommen. Zum Glück haben wir noch ein paar Tage Zeit, bevor wir weiter ziehen.

Donnerstag, 27. Juli 2023

To Toronto? Go go go


Die grüne Landschaft zieht an uns vorbei, und lässt das kalte grau-blau der Stadt weit hinter uns zurück. Wir sind untetwegs nach Norden. Bis jetzt läuft alles erstaunlich gut nach Plan, auch wenn es manchmal knapp wurde. 

Der Flughafensprint

Die Hinreise war schon ein Abenteuer, in Lissabon mussten wir einen Spurt hinlegen um den Anschlussflug nach Toronto zu erwischen. In orange Westen gekleidetes Flughafenpersonal stand bereit  "Toronto? This direction, go go go!" angefeuert rannten wir durch die endlosen Gates. Ausser Atem schafften wir es gerade noch rechtzeitig. 
Notiz an mich selbst; die Kinder sollten zum Reisen keine Gummistiefel tragen.

Der unendlich lange Flug über den Atlantik war überraschend angenehm. Kind 1 konnte die ganze Reise gar nicht schlafen und erst als das Flugzeug zum Landeanflug ansetzte, fielen ihm im unpassendsten Moment doch noch die Augen zu. 
Fast 19 Stunden nach unserer Abreise in Bülach betraten wir kanadischen Boden 21:30 Ortszeit; 03:30 in Zürich.

Der erste Tag in Kanada verlief abgesehen von einem verpassten Zug ganz gut. Ein Besuch in der Grossstadt Toronto bestätigte uns, dass wir definitiv lieber in der Natur unterwegs sind. 

Und jetzt sind wir unterwegs nach Sundridge, in die endlosen von Seen durchzogenen wilden Wälder Ostkanadas.

Mittwoch, 14. Juni 2023

Die inneren Werte


Das Haus leert sich langsam, wir verkaufen und verschenken viele unserer Habseligkeiten. Und zwischen Tutti Inseraten und Bananenschalchtelstapeln läuft der Alltag weiter, und mit ihm das Geburtstagsfest von Kind 2.

"Chli stinke mueses" steht gross auf der Einkaufstasche. Meine Tochter wirft mir einen leicht beschämten Blick zu, als sie am Mittag nach Hause kommt. 
Das hatte ich nicht gesehen als ich ihn morgens, noch leicht verschlafen, bereit gestellt hatte.

Zum Geburtstag wollte Kind 2 gerne für die ganze Klasse Znüni mitbringen. Schoko-Muffins, selbst gebacken natürlich. Sie liebt es zu backen. 
Die Muffins kamen sehr gut an, der Sack, in dem ich sie mitgab, eher weniger. 

"Ach ja" mein Mann legt ihr grinsend den Arm um die Schulter. "Weisst du, ich habe Mama heute gebeten, eine Kartonschachtel aus dem Geschäft mitzubringen, und ich darf meine verkauften Sachen nun in Kartons von Erwachsenenwindeln verschicken. Grösse XL."

Dienstag, 9. Mai 2023

Die Qual der Wahl

Ein weiterer Schritt in der Reiseplanung. Nach zwei Monaten im rauen Kanada werden ein paar Wochen am sonnigen Strand sicher eine schöne Abwechslung, bevor unsere Reise dann in Neuseeland weiter geht.

Auf die Fidschi Inseln oder nach französisch Polynesien? Hmm, oder doch Hawaii? Hey Moment, die Cook Inseln wären auch noch da in der Nähe. Aber nein besser Hawaii UND die Cook Inseln... Oder vielleicht doch besser Fidschi? 

Zwischen Kanada und Neuseeland liegen ziemlich viel Distanz, ziemlich viel Meer und ziemlich viele spannende Inseln, auf denen man einen sonnigen Zwischenstopp einlegen könnte. 
Eine schwierige Entscheidungen mit (für meinen Geschmack) deutlich zu vielen Möglichkeiten. 

Mir fallen schon Entscheidungen mit deutlich weniger Auswahl manchmal schwer. Ich erinnere mich an den Tag, als ich beinahe aus der Dusche gefallen wäre, weil ich mich nicht entscheiden konnte, mit welchem Fuss ich zuerst heraus steigen soll. Mein Körper befand sich blöderweise schon in der Vorwärts-Bewegung, was dem Fuss Konflikt eine unnötige Dringlichkeit verlieh. 

Ich stolpere gedanklich zurück in den Pazifik und wir entscheiden uns für

Samstag, 29. April 2023

An Tagen wie diesen


Die Uhr zeigt 23:59 an. Der Zug wiegt sich sanft quitschend durch die Lichter der Stadt. Schläfrig schauen die Kinder aus dem Fenster. Werden sie in der letzten Minute dieses ereignisreichen Tages doch noch vom Schlaf übermannt? Nachvollziehbar, dass sie müde sind, haben wir doch volle drei Stunden tanzend verbracht, und dank Sitzplätzen auf dem Balkon sogar ohne Bierdusche oder blaue Flecken. 

Ein grosses Ereignis für die Kinder; ihr erstes Konzert ist eine Abschieds-Tournee. Ihr erstes Mal Ausgang also auch ein letztes Mal. Eine der Bands, die  schon seit 90er Jahren für manches gute Hiphop Konzert gesorgt hatten, löst sich altersbedingt auf. Man soll aufhören wenn es am schönsten ist, also bevor man die Bühne nsch Rollator-tauglichkeit ausgesucht werden muss. 

'Wie nah Ende und Anfang beieinander liegen.. ' denke ich während die nächtlich flimmernde Stadt hinter der Dunkelheit eines Tunnels verschwindet.
Ein Blick auf die Uhr: 00:00. Ein neuer Tag beginnt. Eine neue Ära. 

Mittwoch, 5. April 2023

Tick tack


10 Millionen. 
Eine ganz schön grosse Zahl. 
10 Millionen Sekunden. Oder anders gesagt: 116 Tage. 
Dann geht die Reise los, ein neues Kapitel. 

Doch vor dem Anfang kommt das Ende; noch 10 Million Sekunden, um alles Zurückbleibende zu regeln. Um die Reise vorzubereiten, um die Arbeit im Studio zu delegieren und Schulstoff für die Kinder zu organisieren. Um das Haus zu leeren und abzugeben. 
Verträge künden. Möbel einstellen. Krimskrams verschenken und verkaufen. Entsorgen. Reduzieren. Loslassen. Ausatmen. 

Seit über einem Halben Jahr steht die Idee "Weltreise" im Raum, und nun ist es wirklich bald soweit. Einerseits haben wir uns an den Gedanken gewöhnt, andererseits erscheint es immernoch so unreal. 
Noch stecken wir im Alltag mit all seinen Hausaufgaben und Haare-bürsten-Diskussionen. Noch stecken wir wie jeden Frühling in den Vorbereitungen für das Osterfest. Noch ist alles so wie immer. 
 
Nur ganz fein und leise tickt im Hintergrund der Countdown. 9'999'999. 9'999'998. 9'999'997...

Dienstag, 14. März 2023

Schlussbouquet

Farbenfroh strecken sich die ersten Frühlingsblumen der Sonne entgegen, hier und da leuchten bereits einzelne Osterglocken. 

Seit dem letzten Sommer erleben wir viele letzte Male; die letzten Weihnachten im Hüsli, der letzte Sylvester und bald das letzte Mal Osternestli suchen in diesem wunderschönen Garten.

Wir freuen uns sehr auf den neuen Abschnitt und seine Abenteuer und Herausforderungen, und doch bedeutet jeder Beginn von etwas Neuem auch das Ende von etwas Altem.

Mit grossen Schritten kommt der Sommer näher, und mit ihm der Abschied.

Es waren schöne Jahre hier, auf die wir gerne zurück blicken werden. 
Auf Grillabende an der Feuerschale und auf Sommernächte unter Sternenhimmel. Auf die duftende Farbenpracht der Blumen und das Schlüpfen der Schmetterlinge. Auf das feine Prasseln von Regentropfen auf dem Glasdach im Wintergarten.

Wir erinnern uns an unseren ersten Winter hier, in dem so viel Schnee fiel, dass der Schulweg zum Abenteuer wurde. 
An den Frühling, in dem eines der versteckten Ostereier erst Monate nach Ostern gefunden wurde. 
Und an die Sturmnacht letzten Sommer, in der sich unser Trampolin selbständig machte und eine Schneise der Zerstörung hinterliess. 
Wir erinnern uns an wilde Wasserschlachten und Geburtstagspartys, an viele Stunden Guezlibacken und Iglu bauen. An Blindschleichen, Mäuschen, und Igel im Garten. An eine freundliche Nachbarschaft und ein tolles Zuhause.

Nun neigt sich diese Ära dem Ende und wir geniessen unseren letzten Frühling hier. Hoffentlich finden wir dieses Jahr alle Ostereier.

Samstag, 4. März 2023

Kanada Ost

Et Voilà, die ersten beiden Etappen unserer Weltreise sind geplant; 

Von Toronto aus gehts Ende Juli mit dem Mietauto gegen Norden bis nach Sundridge (A), wo wir eine Woche am Rande des Algonquin Nationalparks wohnen. Ewig weite Wälder, idyllische Seen, wilde Beeren und Bären. Das Abenteuer kann beginnen.

Dann weiter in eine sehr einfache Bleibe ohne fliessendes Wasser in Goulais River (B) ans östliche Ufer des gigantischen Lake Superior, den grössten Süsswassersee der Welt. Und mit gross ist hier wirklich gross gemeint; flächenmässig könnte man die ganze Schweiz gleich zwei Mal darin versenken. Ob noch ein paar Kirchtürme aus dem Wasser herausschauen würden?

Über einen kurzen Aufenthalt in Terrace Bay (C) , am nördlichen Ufer der Riesenpfütze, geht die Reise ans andere Ende des Sees nach Dorion (D) das mit rauen Wäldern und wilden Schluchten zum Wandern einlädt. Die Natur formte tiefe Canyons und der Mensch lange Hängebrücken.

Eine kurze Pause im Niemandsland Dryden (E) und ab in die Stadt Winnipeg (F), wo der erste Teil unserer Reise nach einem Monat endet. Im Zug verlassen wir den Osten und durchqueren eine grosse Strecke des Mittellandes im Via Rail bis nach Edmonton (G), wo Ende August die zweite Etappe beginnt: 

Im Camper brechen wir auf gen Westen, durchqueren die schneebedeckten Rocky Mountains, den Regenwäldern an der Westküste Kanadas und Vancouver entgegen. 

Donnerstag, 23. Februar 2023

Rund herum


"Sind wir noch auf dem Hinweg oder schon auf dem Rückweg?" Der Kiesweg knirscht unter den Schuhen, und wärmende Sonnenstrahlen finden ihren Weg durch die noch kahlen Bäume. 
Gute Frage, ich kann es so genau nicht sagen, da wir eine Rundwanderung machen. 
Aber wahrscheinlich sind wir noch nicht in der Hälfte, so meine Schätzung. Das Kind schaut mich entsetzt an:
"waaas, so weit? Meinst du mit Rundwanderung etwa einmal rund um die Welt oder was?"
Noch nicht... 

Aber ganz so lange dauert es nicht mehr, bis wir die grosse Reise antreten. 
Die neuen Wanderschuhe werden gerade eingelaufen, unser Zuhause leert sich langsam, die Reiseroute wird laufend angepasst. 
Der Start in Kanda im Juli '23 ist gesetzt, und enden wird das Abenteuer im Sommer' 24 zurück in der Schweiz. 
Alles dazwischen werden wir dann sehen. 
Wie bei den meisten Rundwanderungen halt. 

Sonntag, 29. Januar 2023

Der erste grosse Schritt

"Ich bin dann mal weg" sagte der deutsche Komiker Hape Kerkeling vor ein paar Jahren, stand vom Sofa auf und machte sich auf den Weg. 
Nicht irgend einen Weg. 
Den Jakobsweg. 
Zu Fuss. 
Alleine.

Ganz so spontan und ohne Vorbereitungen geht es bei uns nicht, gar nicht.  Bis jetzt war das Projekt Weltreise nur eine schöne Idee, nun beginnt es langsam ernst zu werden. Vieles muss organisiert und vorbereitet werden.
Und so langsam nimmt es Form an.  

Ende Juli werden wir weit über den Wolken den Atlantik überqueren. Phu, es wird ernst, der erste Flug ist gebucht.
Destination Toronto. 
Kanada. 
24.7.2023

Auch die längste Reise beginnt mit einem Schritt.  
Im Gegensatz zum Jakobsweg hat unsere Reise jedoch kein Ziel. 

Sonntag, 15. Januar 2023

Quo vadis?

Am Anfang war die Schnapsidee. Eine Auszeit nehmen. Aber so richtig. 
Nicht nur kurz Urlaub und zurück in den monotonen Alltag. 

Vielleicht verlängerte Sommerferien?
Aus Wochen wurden Monate, aus Monaten ein Jahr. 
Reisen, und zwar langsam. Ein ganzes Schuljahr lang den Pausenknopf drücken.

Geht das überhaupt? 

Kinder aus der Schule nehmen? 
Kein Problem. 

Eine Jahr lang auf der Arbeit fehlen? 
Scheint organisierbar zu sein.

Ersparnisse in ein Abenteuer investieren? 
In was denn bitte sonst? 

Der Nachwuchs ist selbständig, aber die Pubertät noch nicht in Reichweite.  

So allmählich räumt die Realität alle gedanklichen Hindernisse aus dem Weg und macht die Sicht frei auf Möglichkeiten. 

Ich versuche mir vorzustellen wie das wird, wenn unser Chaostrupp durch die Welt tingelt. 

Wir sprechen hier immerhin von einer Familie, die es oft nicht mal schafft einkaufen zu gehen, ohne dass ein Kind unterwegs eine Socke verliert. 

Abenteuerlich wird das auf jeden Fall... 

 Sommer '23; wir kommen.

Samstag, 14. Januar 2023

November


Leise im Takt trommelnd wirft der Herbstwind Regentropfen an die Fensterscheibe. Das Tageslicht hat sich schon längst auf die andere Seite der Welt verzogen. 

Dampf steigt von der Teetasse hoch und beschlägt die Brillengläser mit feinen weissen Schwaden.
Mit beiden Händen umschlossen halte ich die Tasse hoch bis dicht vor mein Gesicht, die Augen geschlossen. Ein tiefer Atemzug. 

Ingwer und Zitrone. 
November. 

Mit einem Seufzer öffne ich die Augen. Ein Stück Ingwer schwimmt wie eine Insel im Porzellanmeer.
Mein Blick hebt sich über den Tassenrand und bleibt weit hinten an grünen Inseln hängen.
Leicht knitterig und fleckig von klebrigen Kinderhänden hängt die Weltkarte an der Wand.

Wo werden wir heute in einem Jahr wohl sein?
Ebenfalls mit Tee und Kuscheldecke in Kanada?
Oder mit Cocktail und Hängematte in Hawaii?

Ein paar winzige unscheinbare grüne Punkte im grossen weiten Blau. 
Ein weiterer Seufzer wirbelt leise Dampf und Gedanken auf. 

it's beginning to look a lot like christmas

Das erste mal Vielzufrüh-Weihnachtsdeko-in-den-Läden feeling hatten wir schon Mitte September in Hawai'i, very american, bun...