Dienstag, 14. März 2023

Schlussbouquet

Farbenfroh strecken sich die ersten Frühlingsblumen der Sonne entgegen, hier und da leuchten bereits einzelne Osterglocken. 

Seit dem letzten Sommer erleben wir viele letzte Male; die letzten Weihnachten im Hüsli, der letzte Sylvester und bald das letzte Mal Osternestli suchen in diesem wunderschönen Garten.

Wir freuen uns sehr auf den neuen Abschnitt und seine Abenteuer und Herausforderungen, und doch bedeutet jeder Beginn von etwas Neuem auch das Ende von etwas Altem.

Mit grossen Schritten kommt der Sommer näher, und mit ihm der Abschied.

Es waren schöne Jahre hier, auf die wir gerne zurück blicken werden. 
Auf Grillabende an der Feuerschale und auf Sommernächte unter Sternenhimmel. Auf die duftende Farbenpracht der Blumen und das Schlüpfen der Schmetterlinge. Auf das feine Prasseln von Regentropfen auf dem Glasdach im Wintergarten.

Wir erinnern uns an unseren ersten Winter hier, in dem so viel Schnee fiel, dass der Schulweg zum Abenteuer wurde. 
An den Frühling, in dem eines der versteckten Ostereier erst Monate nach Ostern gefunden wurde. 
Und an die Sturmnacht letzten Sommer, in der sich unser Trampolin selbständig machte und eine Schneise der Zerstörung hinterliess. 
Wir erinnern uns an wilde Wasserschlachten und Geburtstagspartys, an viele Stunden Guezlibacken und Iglu bauen. An Blindschleichen, Mäuschen, und Igel im Garten. An eine freundliche Nachbarschaft und ein tolles Zuhause.

Nun neigt sich diese Ära dem Ende und wir geniessen unseren letzten Frühling hier. Hoffentlich finden wir dieses Jahr alle Ostereier.

Samstag, 4. März 2023

Kanada Ost

Et Voilà, die ersten beiden Etappen unserer Weltreise sind geplant; 

Von Toronto aus gehts Ende Juli mit dem Mietauto gegen Norden bis nach Sundridge (A), wo wir eine Woche am Rande des Algonquin Nationalparks wohnen. Ewig weite Wälder, idyllische Seen, wilde Beeren und Bären. Das Abenteuer kann beginnen.

Dann weiter in eine sehr einfache Bleibe ohne fliessendes Wasser in Goulais River (B) ans östliche Ufer des gigantischen Lake Superior, den grössten Süsswassersee der Welt. Und mit gross ist hier wirklich gross gemeint; flächenmässig könnte man die ganze Schweiz gleich zwei Mal darin versenken. Ob noch ein paar Kirchtürme aus dem Wasser herausschauen würden?

Über einen kurzen Aufenthalt in Terrace Bay (C) , am nördlichen Ufer der Riesenpfütze, geht die Reise ans andere Ende des Sees nach Dorion (D) das mit rauen Wäldern und wilden Schluchten zum Wandern einlädt. Die Natur formte tiefe Canyons und der Mensch lange Hängebrücken.

Eine kurze Pause im Niemandsland Dryden (E) und ab in die Stadt Winnipeg (F), wo der erste Teil unserer Reise nach einem Monat endet. Im Zug verlassen wir den Osten und durchqueren eine grosse Strecke des Mittellandes im Via Rail bis nach Edmonton (G), wo Ende August die zweite Etappe beginnt: 

Im Camper brechen wir auf gen Westen, durchqueren die schneebedeckten Rocky Mountains, den Regenwäldern an der Westküste Kanadas und Vancouver entgegen. 

Donnerstag, 23. Februar 2023

Rund herum


"Sind wir noch auf dem Hinweg oder schon auf dem Rückweg?" Der Kiesweg knirscht unter den Schuhen, und wärmende Sonnenstrahlen finden ihren Weg durch die noch kahlen Bäume. 
Gute Frage, ich kann es so genau nicht sagen, da wir eine Rundwanderung machen. 
Aber wahrscheinlich sind wir noch nicht in der Hälfte, so meine Schätzung. Das Kind schaut mich entsetzt an:
"waaas, so weit? Meinst du mit Rundwanderung etwa einmal rund um die Welt oder was?"
Noch nicht... 

Aber ganz so lange dauert es nicht mehr, bis wir die grosse Reise antreten. 
Die neuen Wanderschuhe werden gerade eingelaufen, unser Zuhause leert sich langsam, die Reiseroute wird laufend angepasst. 
Der Start in Kanda im Juli '23 ist gesetzt, und enden wird das Abenteuer im Sommer' 24 zurück in der Schweiz. 
Alles dazwischen werden wir dann sehen. 
Wie bei den meisten Rundwanderungen halt. 

Sonntag, 29. Januar 2023

Der erste grosse Schritt

"Ich bin dann mal weg" sagte der deutsche Komiker Hape Kerkeling vor ein paar Jahren, stand vom Sofa auf und machte sich auf den Weg. 
Nicht irgend einen Weg. 
Den Jakobsweg. 
Zu Fuss. 
Alleine.

Ganz so spontan und ohne Vorbereitungen geht es bei uns nicht, gar nicht.  Bis jetzt war das Projekt Weltreise nur eine schöne Idee, nun beginnt es langsam ernst zu werden. Vieles muss organisiert und vorbereitet werden.
Und so langsam nimmt es Form an.  

Ende Juli werden wir weit über den Wolken den Atlantik überqueren. Phu, es wird ernst, der erste Flug ist gebucht.
Destination Toronto. 
Kanada. 
24.7.2023

Auch die längste Reise beginnt mit einem Schritt.  
Im Gegensatz zum Jakobsweg hat unsere Reise jedoch kein Ziel. 

Sonntag, 15. Januar 2023

Quo vadis?

Am Anfang war die Schnapsidee. Eine Auszeit nehmen. Aber so richtig. 
Nicht nur kurz Urlaub und zurück in den monotonen Alltag. 

Vielleicht verlängerte Sommerferien?
Aus Wochen wurden Monate, aus Monaten ein Jahr. 
Reisen, und zwar langsam. Ein ganzes Schuljahr lang den Pausenknopf drücken.

Geht das überhaupt? 

Kinder aus der Schule nehmen? 
Kein Problem. 

Eine Jahr lang auf der Arbeit fehlen? 
Scheint organisierbar zu sein.

Ersparnisse in ein Abenteuer investieren? 
In was denn bitte sonst? 

Der Nachwuchs ist selbständig, aber die Pubertät noch nicht in Reichweite.  

So allmählich räumt die Realität alle gedanklichen Hindernisse aus dem Weg und macht die Sicht frei auf Möglichkeiten. 

Ich versuche mir vorzustellen wie das wird, wenn unser Chaostrupp durch die Welt tingelt. 

Wir sprechen hier immerhin von einer Familie, die es oft nicht mal schafft einkaufen zu gehen, ohne dass ein Kind unterwegs eine Socke verliert. 

Abenteuerlich wird das auf jeden Fall... 

 Sommer '23; wir kommen.

Samstag, 14. Januar 2023

November


Leise im Takt trommelnd wirft der Herbstwind Regentropfen an die Fensterscheibe. Das Tageslicht hat sich schon längst auf die andere Seite der Welt verzogen. 

Dampf steigt von der Teetasse hoch und beschlägt die Brillengläser mit feinen weissen Schwaden.
Mit beiden Händen umschlossen halte ich die Tasse hoch bis dicht vor mein Gesicht, die Augen geschlossen. Ein tiefer Atemzug. 

Ingwer und Zitrone. 
November. 

Mit einem Seufzer öffne ich die Augen. Ein Stück Ingwer schwimmt wie eine Insel im Porzellanmeer.
Mein Blick hebt sich über den Tassenrand und bleibt weit hinten an grünen Inseln hängen.
Leicht knitterig und fleckig von klebrigen Kinderhänden hängt die Weltkarte an der Wand.

Wo werden wir heute in einem Jahr wohl sein?
Ebenfalls mit Tee und Kuscheldecke in Kanada?
Oder mit Cocktail und Hängematte in Hawaii?

Ein paar winzige unscheinbare grüne Punkte im grossen weiten Blau. 
Ein weiterer Seufzer wirbelt leise Dampf und Gedanken auf. 

it's beginning to look a lot like christmas

Das erste mal Vielzufrüh-Weihnachtsdeko-in-den-Läden feeling hatten wir schon Mitte September in Hawai'i, very american, bun...